Quo vadis, DisplayPort?

DisplayPort ist ein Standard, der diese Tage bereits seinen 10. Geburtstag feiert und immer noch als Grafiksignal der Zukunft gilt. Schließlich kann DisplayPort einiges, was andere Standards nicht bieten. Die meisten Extra-Features von DisplayPort werden von den Nutzern meistens nicht mit vollem Leistungsumfang genutzt, auch in Full HD und 4K tun es HDMI und selbst DVI auch noch ganz passabel. Warum hat sich DisplayPort dann überhaupt so weit durchgesetzt und warum scheint es im AV-Segment so gut wie keinen Boden gegenüber HDMI gutzumachen? Als Anbieter einer breiten Palette von professionellen IT- und AV-Lösungen sowie Enduser-Produkten bis hin zu Digital Signage und B2B-AV-Lösungen besitzt der Mannheimer Connectivity-Lösungsanbieter Lindy einen guten Überblick vom Verhältnis des Marktes zu DisplayPort.

DisplayPort – ein Standard der Zukunft?

Auf die Frage nach Grund, Sinn, Zweck und Notwendigkeit eines neuen Grafikstandards heißt die Antwort: Vielleicht war DisplayPort damals nicht unbedingt nötig, aber es war damals und ist auch heute noch besser als jeder andere Standard. Höhere Auflösungen (bei DP 1.4 nativ 5K), mehrere parallele Signale durch ein Kabel (Stichwort Multi Stream Transport bzw. Daisy Chaining), 720 Mbit/s bidirektionale Bandbreite für Signale neben dem reinen Bildsignal (Stichwort CEC, E-EDID), zusätzliche Farbräume wie scRGB und ein Mikropaket-Protokoll, das gewährleistet, dass DisplayPort auch in Zukunft an fast alle technischen Anforderungen leicht anpassbar bleiben wird, sind wirklich starke Features, die erkennen lassen, dass DisplayPort bei seiner Vorstellung im Jahr 2007 auf die Zukunft ausgerichtet war. Natürlich wird auch HDMI fortlaufend weiterentwickelt, aber erst mit der bislang angekündigten HDMI 2.1-Spezifikation scheint HDMI wirklich zu DisplayPort aufschließen zu können.

Das Problem, das aber beide Standards haben, ist weiterhin, dass viele Features (selbst heute) kaum genutzt werden. Maximale Auflösung ist für viele nach wie vor das einzige Gütekriterium. Wie will man an dieser Stelle über die Zukunftsaussichten beider Standards urteilen, wenn sich die Unterschiede weitgehend auf Spezialfeatures erstrecken, die nur wenige Benutzer überhaupt in Anspruch nehmen? So ist es beispielsweise ebenso möglich, bei USB 3.1 Typ C-Verbindung im Alternate Mode Funktionen von DisplayPort oder HDMI zu übertragen, sofern die Quelle wie Grafikkarte/Rechner dies ebenfalls unterstützen. Die – faktisch vorhandene – technische Überlegenheit von DisplayPort sollte als Grund für die Verbreitung also nicht überbewertet, mindestens aber nicht alleinstehend betrachtet werden.

Dass es DisplayPort gelang, dem vier Jahre älteren HDMI-Standard Marktanteile abzunehmen, hat klar auch marktpolitische Gründe. DisplayPort ist quasi lizenzfrei. Während HDMI die Hersteller zu einer kostenpflichtigen Akkreditierung verpflichtet, jede HDMI-Buchse mit Abgaben belegt und auch sonst die Leine sehr kurz hält, ist DisplayPort mit weit weniger Hürden für die Hersteller verbunden. So hat es HDMI geschafft, mit dem HDMI-Forum eine beträchtliche Liste an Unternehmen hinter sich zu bringen, aber ein paar große Namen vermisst man dort trotzdem. Unter ihnen sind Unternehmen wie Apple und HP, die insbesondere im Bereich Enduser-Hardware ganz im Alleingang Standards schaffen können.

DisplayPort im AV-Umfeld

Es gibt also Gründe, warum DisplayPort im PC-Umfeld Erfolg hat. Bleibt die Frage, wie es mit DisplayPort im professionellen AV-Umfeld aussieht. Die Antwort ist leicht: DisplayPort spielt hier bisher nur eine geringe Rolle. Die Gründe dafür sind komplizierter. Bei der Frage, ob ein Eventtechniker eine bestimmte AV-Komponente einsetzt oder nicht, sind Kriterien wie Funktionsumfang und Preis immer nachrangig gegenüber der Frage: Wie zuverlässig funktioniert das Gerät oder das komplette System? Wäre DVI mit heutigen 4K-Auflösungen problemlos kompatibel, dann hätte es vermutlich weder HDMI noch DisplayPort geschafft, Einzug in den professionellen AV-Markt zu halten. Dass HDMI im professionellen AV-Markt eine Rolle spielt, ist nicht der Tatsache geschuldet, dass HDMI der verheißungsvollere Standard ist, der neue Möglichkeiten bietet, sondern dass sich ab einer gewissen Auflösung viele Techniker nur widerwillig von DVI trennen mussten, weil DVI an seine Grenzen stieß und nicht konsequent auf heutige AV-Erfordernisse hin weiterentwickelt wurde.

An dieser Stelle gestattet sich eine erste Prognose, wann DisplayPort im professionellen AV-Umfeld Einzug halten könnte. DisplayPort wird wohl nie als strahlender Sieger dank technischer Überlegenheit einen Siegeszug antreten, sondern bestenfalls in der Rolle des notwendigen Übels irgendwann den Sieg davontragen, wenn etablierte Standards moderne Anforderungen nicht mehr erfüllen können. Dies wird aber erst dann der Fall sein, wenn es HDMI wie anno dazumal DVI nicht schafft, den Standard konsequent weiterzuentwickeln. Die Verheißungen und Ankündigungen von HDMI 2.1 lassen allerdings vermuten, dass HDMI noch sehr lange für alle AV-Belange auf Augenhöhe mitspielen wird.

Fazit

Am Ende der Betrachtung bleibt nicht mehr ganz so viel von der ursprünglichen Strahlkraft des eigentlich besseren Standards übrig. Etwas positiver formuliert kann man vermutlich resümieren, dass DisplayPort auch 10 Jahre nach der Veröffentlichung seiner Zeit immer noch etwas voraus ist. Bestimmte Features werden wohl erst dann wirklich zum Tragen kommen, wenn DisplayPort nicht nur bei Computer-Herstellern, sondern vor allem im Bereich Enduser-Multimedia vollends angekommen ist. Hier ist der Markt allerdings noch deutlich zögerlicher. Fernseher, Receiver, TV-Sticks oder BluRay-Player mit DisplayPort sind immer noch die Ausnahme und es ist schwer abzuschätzen, ob und wann sich das ändern könnte. Dass DisplayPort aus technischer Sicht einen Sieg nach Punkten davontragen würde, ist bei der Frage, ob es sich durchsetzt, aber völlig unerheblich.

Aktuell behaupten sich zwei Standards, die beide am Puls der Zeit sind und dies auch langfristig bleiben werden. Echte Alternativen sind nicht in Sicht. Auch Standards wie Thunderbolt oder USB Typ C sind letzten Endes nur DisplayPort-Signale in neuen Kabeln, aber kein wirklich neuer Standard. Welcher der beiden Standards aber langfristig die Nase vorne behält, wird, wie in so vielen Fällen, nicht allein über technische Überlegenheit oder Innovation entschieden werden, sondern sich zudem aus der Dynamik von Marktpolitik und User-Präferenzen heraus entwickeln.

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